Liebe Eltern, seid stolz auf euch!

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Fünf Wochen Kinderbetreuung und Homeoffice, Kurzarbeit oder Arbeit in systemrelevanten Berufen liegen hinter uns. Inzwischen haben wir uns an die Situation gewöhnt und jeder hat seine Strategien entwickelt, mit der Situation umzugehen.
Ich finde es ist Zeit uns Eltern zu loben und auch für uns zu klatschen. Wir geben alles um den aktuellen Anforderungen gerecht zu werden. Wir arbeiten und kümmern uns gleichzeitig um unsere Kinder und das ohne unsere gewohnte Unterstützung aus Kindergarten, Schule, Großeltern, Tagesmütter usw.
Wichtig ist es in dieser Zeit nicht perfekt zu sein, sondern für uns und unsere Familie alles so gut wie möglich zu regeln. Dazu gehört, dass die Wohnung nicht immer perfekt sauber sein muss – Besuch ist aktuell nicht erlaubt und wird eher nicht vor der Türe stehen. Es darf eine Fertigpizza sein, wenn die Zeit nicht zum Kochen gereicht hat. Nehmt einfach den Druck raus – es muss für euch und eure Familie gut sein und nicht für andere! Die Situation ist anstrengend und Kräfte zehrend genug. Die Familie und jeder einzelne in der Familie zählen im Moment und niemand anderes!

Ich klatsche für alle Eltern, die momentan unter extremen Bedingungen ihr Bestes geben!
Ich klatsche für alle Eltern, die jeden Tag wieder neu mit guter Laune aufstehen, für ihre Kinder da sind, jeden Tag neue Ideen haben was es zu essen geben soll, jeden Tag neue Ideen für die Gestaltung der Zeit haben, das gleiche Spiel zum ungezählten Mal spielen und trotzdem voll bei der Sache ist, mit den Kindern über das Gleiche lachen oder mit ihm weinen oder jeden Konflikt meistern. Ich klatsche für alle Eltern, die sich jeden Tag von ihren Kindern überraschen lassen, weil sie immer neue Seiten zeigen oder mit ihm zusammen die Welt entdecken.

Ich klatsche aber auch für alle Kinder!
Sie meistern diese Zeit so toll! Sie sind seit Wochen zuhause, dürfen die Großeltern nicht persönlich sehen sondern meistens nur über Videotelefonie, dürfen nicht mit ihren Freunden spielen, lachen und toben, dürfen nicht in Kindergarten und Schule und müssen auf ihre Hobbies verzichten. Sie verstehen vieles in dieser aktuellen Lage - aber nicht alles. Ein nicht sichtbares Virus ist für viele auch eine nicht fassbare Gefahr, für die sie keine Vorstellung entwickeln können. Und trotzdem akzeptieren sie diese Situation so prima, dass sie die volle Bewunderung verdienen! 
Die Kinder zeigen uns vor allem, wie man am besten mit so einer Situation umgeht. Sie machen weiter, lassen sich nicht unterkriegen und sind in ihrer Lebenslust kaum zu bremsen! Sie lachen, spielen, singen, tanzen und rennen und zeigen uns jeden Tag wie schön die Welt ist. Sie stecken an mit ihrer guten Laune und lassen uns oft auch staunen und lachen, weil sie uns wieder einmal überrascht haben.

Deshalb machen wir weiter so, lassen wir uns nicht unterkriegen! Behalten wir unsere Familie im Fokus und genießen die gemeinsame Zeit so gut wir können! 
Und vor allem, lassen wir nicht den negativen Gedanken und Emotionen die Bühne. Geben wir diese Bühne dem Stolz und der Freude darüber, wie wir diese Ausnahmesituation meistern! 
Irgendwann werden wir uns an diese Zeit erinnern und uns vielleicht zurück wünschen in eine Zeit der verordneten Ruhe. Wann werden wir wieder in einer Situation leben, in der wir nur wenig „Müssen“? Wann werden wir wieder Termine auf das Nötigste reduzieren und den Druck und Stress so auf ein Minimum reduzieren? Nutzen wir diese, doch einmalige Chance für uns und unsere Familie. 

Eure Christine

Liebe Eltern, diese Krise bietet eine Chance!

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Es gibt den Spruch „Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Limonade daraus!“. Das sollten wir auch jetzt – so paradox es in der aktuellen Situation klingt.

Nie wieder werden die Familien so frei sein von „müssen“, frei sein von Terminen und frei sein von Stress und Druck. Nie wieder werden wir so viel Zeit für die Familie haben und uns auf unsere Kinder so intensiv konzentrieren können. Es ist die Zeit der Selbstbestimmung in der Familie. Und das sollten wir genießen! Ich bin mir sicher, dass wir, wenn wir unseren gewohnten Alltag wieder haben uns so eine Zeit der verordneten Ruhe zurückwünschen werden!

Unsere Kinder werden sich vermutlich nicht an das Virus selbst erinnern. Sie werden sich daran erinnern, wie die Eltern in dieser Zeit agiert haben und wieviel Zeit sie mit ihren Eltern verbracht haben. Und wir Eltern werden daran gemessen, wie unsere Kinder diese Zeit in Erinnerung behalten. Eltern haben ihre Vorbildrolle in Zeiten wie diesen, weil sie zeigen, wie in der Familie mit Stress und Unsicherheit umgegangen wird. Kinder lernen wie ihre Eltern mit solchen Situationen umgehen. Sie übernehmen die Strategien in ihren Erfahrungsschatz und werden auch selbst später ähnlich reagieren. Deshalb ermuntere ich alle Eltern, diese Zeit in vollen Zügen zu nutzen. Spielt, bastelt, lest vor und macht alles was eurer Familie Spaß macht. Ein gemeinsamer Kinoabend auf dem Sofa ist auch was Schönes. Genießt die Zeit in vollen Zügen!

Angst gehört zu Unsicherheit und unsicheren Zeiten dazu. Sie sollte aber dosiert Thema sein, je nach Alter der Kinder. Eltern dürfen zugeben, dass sie Angst haben oder nicht wissen, was die Zukunft bringt. Aber es sollte auch immer eine Portion Optimismus mitschwingen, so dass der Tenor lautet „gemeinsam schaffen wir das“. Das stärkt die Widerstandskraft der Kinder für die Zukunft. 

Konflikte gehören im Übrigen auch zum Alltag und haben nicht nur Negatives. Sie lehren uns auch etwas über unser Gegenüber, wir müssen nur genau hinsehen. Wenn wir sie nicht nur als Belastung, sondern auch als Chance sehen, dann können wir auch aus Konflikten lernen. Und in den Konflikten mit unseren Kindern liegen auch für uns Eltern noch Dinge, die wir lernen können. Das gilt auch für Konflikte unter Geschwistern. Diese sind normal und so lange sie gewaltfrei sind, dienen sie beiden Seiten für die soziale Entwicklung. Wir als Eltern müssen nicht immer in jeden Konflikt einsteigen! Die Kinder müssen lernen, sie selbst zu klären. Und manchmal sind es erstaunliche Ergebnisse oder Kompromisse, die sie finden. Wir müssen sie nur lassen!

Also - lasst uns die aktuelle Situation nicht nur Negativ sehen, sie hat auch ihre positiven Seiten. Und wenn wir diese sehen und annehmen, dann kommen wir entspannter und leichter durch diese Ausnahmezeit!

Eure Christine

"Ich klatsche für alle Eltern und Kinder!"

Mein Artikel zur Situation von Eltern und Kindern in der Coronakrise.
Günzburger Zeitung, 02.05.2020 - online hier

Umfrage "Mütter in Führungspositionen"

Günzburger Zeitung, 05.06.2020